Reboarder Kindersitz – sicher unterwegs [Ratgeber]

Die Sicherheit des Kindes im Auto ist für Eltern von Beginn an ein umfangreiches Thema. Wird im ersten Jahr noch die Babyschale genutzt, gehen beim Folgesitz die Meinungen stark auseinander. Immer mehr Aufmerksamkeit haben in den letzten Jahren dabei die Reboarder bekommen.
Die Sitze sind so konzipiert, dass Dein Kind auch über die Pflichtzeit hinaus weiter sicher rückwärts gerichtet im Auto sitzen kann. Aber wo genau liegt der Vorteil bei einem Reboarder Kindersitz und was ist bei der Auswahl zu beachten?

Das erwartet Dich

Was ist ein Reboarder eigentlich genau?

Ein Kindersitz wird dann als Reboarder bezeichnet, wenn Dein Kind darin rückwärts gerichtet fahren kann. Eine Babyschale ist also immer ein Reboarder. Grund dafür ist, dass hier die i-Size-Norm greift. Bis zu einem Alter von 15 Monaten müssen Babys rückwärts im Auto fahren. Dies ist auch der Zeitraum, für den die Babyschale ausgelegt ist.
Reboarder Kindersitz für das Auto – Auto mit Babyschale und Reboarder 360°
Babyschale und 360° Reboarder. Quelle: obs/Allison GmbH/Joie
Aber auch nach der Zeit der Babyschale ist es gut, sich weiter für einen Reboarder Autositz zu entscheiden. Warum? Der Kopf Deines Kindes ist, prozentual zum Körper gesehen, deutlich größer. Kommt es zu einem Frontalaufprall, wirken verstärkte Halskräfte. Der Kopf fällt nach vorne und der Nacken wird beeinträchtigt. Die Gefahr für einen Genickbruch ist stark erhöht.
Bei einem Reboarder wirken die Kräfte in die andere Richtung. Diese werden auf den Rücken übertragen. Der Kopf wird in den Sitz gedrückt. Das Genick wird entlastet.
Immer mehr Hersteller stellen daher in ihrem Sortiment die Reboarder zur Verfügung. Hier ist noch einmal zwischen den folgenden Varianten zu unterscheiden:
  • Echter Reboarder: Die Zulassung eines echten Reboarders reicht von 0 bis hin zu 18 oder – je nach Modell – sogar 25 kg. Über die gesamte Zeit hinweg kann der Sitz entgegen der Fahrtrichtung genutzt werden.
  • Drehbare Reboarder: Auch hierbei handelt es sich um echte Reboarder, die bis zum Erreichen der Gewichtsgrenze rückwärts verwendet werden können. Ein 360 Grad Reboarder ermöglicht den Eltern ein leichteres einsetzen bzw. herausholen des Kindes.
  • Pseudo-Reboarder: Bei einem Pseudo-Reboarder handelt es sich um einen Kindersitz, der zwar ebenfalls in der Gewichtsklasse zum Einsatz kommt. Er muss aber ab einem Gewicht von 13 kg vorwärts gerichtet verwendet werden.

Die Thematik mit dem Auffahrunfall

Eines der wichtigsten Argumente für einen Reboarder ist, dass er bei einem Frontalcrash einen starken Druck auf das Genick verhindert. Aber wie sieht es eigentlich aus, wenn Dir jemand hinten auf Dein Auto fährt? Auffahrunfälle machen in der Statistik einen Anteil von gerade einmal 4,2 % aus und sind damit deutlich seltener. Normalerweise sind bei einem solchen Unfall beide Fahrzeuge in Bewegung. Dadurch verringert sich die Aufprallenergie deutlich. Ein Risiko bleibt hier natürlich dennoch.

Reboarder mit oder ohne ISOFIX – was ist besser?

Es gibt Reboarder mit und ohne Isofix (Bedeutung ISOFIX). Hierbei handelt es sich um die Befestigungsmöglichkeiten im Fahrzeug. Es gibt die folgenden Einbaumöglichkeiten:
  1. Der Einbau mit ISOFIX: Hat Dein Auto Möglichkeiten für eine Befestigung mit ISOFIX, kannst Du diese Reboarder nutzen. Ein großer Vorteil ist, dass eine weitere Befestigung über Gurte nicht unbedingt notwendig ist. Hast Du eine Reboarder-Babyschale, benötigst Du vielleicht eine ISOFIX-Base. Das kommt auf das von Dir gewählte Modell an.
  2. Der Einbau mit Gurt: Einige Fahrzeuge haben keine Befestigungen für ISOFIX. Hier kannst Du auf eine Variante zurückgreifen, die mit dem Gurt befestigt wird. Der Gurt wird allerdings so durch den Kindersitz geführt, dass er beim Anschnallen nicht stört. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen. Beachte daher genau die Vorgaben zur Gurtführung für eine effektive Befestigung.
  3. Einbau mit ISOFIX und Gurt: Einige Modelle werden auch mit ISOFIX und mit Gurt gleichermaßen befestigt.
Allen Modellen gemein ist, dass sie mit einem Stützfuß zusätzlich stabilisiert werden. Grund dafür ist, dass der Schwerpunkt in Richtung Fußraum geht. Dadurch sorgt der Stützfuß für eine noch bessere Haltbarkeit bei einem Unfall.
Viele der Sitze sind heute auf die i-Size-Norm ausgerichtet. Diese schreibt vor, dass ein Reboarder ausschließlich über ISOFIX befestigt werden darf. Sitze mit einer Gurtbefestigung entsprechen damit nicht den Vorgaben, sind jedoch mit der Prüfnorm R 129 versehen. Damit erfüllen sie auch die Sicherheitsansprüche und können ohne Probleme genutzt werden.

Nicht jeder Autokindersitz passt zu jedem Kind

Führst Du bei einem Fachhändler einen ersten Reboarder-Test mit Deinem Kind durch wirst Du schnell merken: hier gibt es beim Komfort und der Passform deutliche Unterschiede. Jedes Kind ist anders und daher gibt es auch unterschiedlich ausgestattete Reboarder.
Achte bei der Auswahl darauf, dass die Sitzbreite gut für Dein Kind geeignet ist. Einige Modelle sind deutlich breiter als andere Modelle. Gleiches gilt für die Rückenlehne. Es gibt Kinder, die einen recht langen und schmalen Oberkörper haben. Bei anderen sind die Beine länger, der Oberkörper aber kompakter. Beides kann die Gurtführung deutlich beeinflussen. Für eine optimale Sicherheit ist es aber gerade wichtig, dass die Gurtführung passt.
Optimal sind anpassbare Rücken- und Kopflehnen. Dadurch kann der Reboarder immer an die zunehmende Größe Deines Kindes angepasst werden.

Gibt es eigentlich auch Nachteile?

Wo Licht ist, da muss auch Schatten sein? Kritiker der Reboarder benennen einige Nachteile, die Du genauer betrachten kannst.
  1. Entstehung von Übelkeit: Eines der häufigsten Argumente gegen die Verwendung der rückwärts gerichteten Sitze ist, dass beim Kind Übelkeit aufkommt. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn Dein Baby sitzt von Geburt an entgegen der Fahrtrichtung. Natürlich bestätigt die Ausnahme die Regel. Es gibt einige Kinder, die unter starker Übelkeit leiden. Hier muss geschaut werden, was der Auslöser ist. Ein Gespräch mit dem Kinderarzt kann ein erster Schritt sein.
  2. Der Platz für die Beine: Wohin mit den Beinen, wenn das Kind immer größer wird? Die Frage scheint berechtigt. Tatsächlich haben Untersuchungen aber gezeigt, dass Kinder den eingeschränkten Platz gar nicht als unangenehm empfinden, da sie gerne im Schneidersitz sitzen. Stattdessen wird es für sie unbequem, wenn sie lange die Beine nach unten halten bei einem vorwärts gerichteten Sitz. Hier kann der Blutfluss beeinträchtigt werden.
  3. Der komplizierte Einbau: Ja, es gibt Modelle, bei denen der Einbau nicht ganz so einfach ist. Hierbei handelt es sich vor allem um Varianten, bei denen die Gurtführung mit integriert wird. Die Anleitungen der Hersteller sind jedoch sehr detailliert und nach ein paar Testläufen hast Du den Dreh raus. Natürlich sind Ausführungen mit ISOFIX da deutlich einfacher, gerade dann, wenn Du den Sitz häufig ein- und ausbauen musst.
  4. Das Platzbedürfnis: Ein Reboarder im Auto benötigt Platz. Das lässt sich nicht leugnen. Aber inwieweit schränkt Dich das ein? Der Kindersitz würde sich sowieso an dieser Stelle befinden und Du könntest den Stauraum im Fußbereich nicht nutzen. Das ist zu gefährlich. Daher ist der erhöhte Platzbedarf normalerweise kein Problem. Selbst für das kleinste Fahrzeug gibt es den passenden Reboarder.
  5. Die hohen Kosten: Die Anschaffung eines Reboarders ist mit höheren Kosten verbunden. Die Sitze haben ein komplexes Sicherheitssystem und sind noch nicht so weit auf dem Markt verbreitet, wie es bei vorwärts gerichteten Kindersitzen der Fall ist. Die meisten Reboarder Modelle sind von Geburt für mehrere Jahre geeignet und wachsen mit, weshalb sie eine lange Lebensdauer aufweisen. Sie bieten außerdem ein deutlich höheres Maß an Sicherheit. Da ist es lohnenswert, Großeltern, Verwandte und Freunde zu den Feiertagen um Unterstützung für den Kauf zu bitten.

Die Problematik mit Reboarder-Tests

Für Eltern ist die Entscheidung für einen guten Kindersitz natürlich ein relevanter Faktor. Daher machst Du Dich vielleicht auf die Suche nach Testberichten, um zu schauen, wer als Testsieger daraus hervorgeht. Sowohl beim ADAC als auch bei Stiftung Warentest sind Reboarder in einem Vergleich mit vorwärts gerichteten Kindersitzen oft schlechter bewertet. Das hat einen bestimmten Grund:
Die Sicherheit eines Sitzes macht nicht das gesamte Testurteil aus.
Ebenfalls mit berücksichtigt werden die Bedienung und auch die Ergonomie. Gerade die Bedienung eines Reboarders ist jedoch eine Herausforderung. Der i-spin 360™ von Joie ist bspw. ein 360° Reboarder mit sehr vielen Features. Wird der Sitz nicht richtig eingebaut, bietet er nicht die gewünschte Sicherheit. Umso wichtiger ist es, beim Einbau genau nach Anleitung vorzugehen und sicherzustellen, dass alles gut passt.

Praktisches Zubehör für Reboarder Kindersitze

Es gibt einiges an Zubehör, das sich gut für den Reboarder eignet. Ideal ist ein Spiegel. Diesen befestigst Du an der Rückenlehne und schon kann Dich Dein Kind während der Fahrt sehen, ebenso wie Du im Rückspiegel schauen kannst, ob alles in Ordnung ist.
Viele Hersteller bieten für ihre Sitze zudem spezielle Bezüge an. Damit Dein Kind in der Sommerzeit nicht so schwitzt, kannst Du einen Sommerbezug für den Reboarder wählen. Er nimmt die Feuchtigkeit auf und leitet sie von Deinem Kind weg. Das erhöht den Komfort gerade auch bei längeren Fahrten.

Fazit – Babys und Kleinkinder fahren rückwärts gerichtet für eine hohe Sicherheit im Auto

Reboarder sind nicht einfach nur ein Trend. Tatsächlich bieten sie beim Fahren eine fünffach höhere Sicherheit. Wusstest Du, dass in Schweden ein Anteil von 90 % der Kinder bis zu einem Alter von vier Jahren und darüber hinaus entgegen der Fahrtrichtung sitzen? Die Quote mit lebensgefährlichen Verletzungen bei Unfällen steigt in den ersten vier Lebensjahren der Kinder nicht an. Damit ein Reboarder Deinem Kind einen umfassenden Schutz bieten kann, muss er zu Deinem Kind und dem Auto passen. Fakt ist: Eine fünfmal höhere Sicherheit ist ein Argument, das für längeres Fahren gegen die Fahrtrichtung spricht.

LG und gute Fahrt, Richard.

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