Meine ersten beiden Elternzeiten hatten einen ziemlich klaren Rahmen. Ich war schon vorher Teilzeit-Papa, nahm beim ersten Kind zwei Monate und beim zweiten vier Monate Elternzeit in Teilzeit. Wann ich wieder arbeiten würde, in welchem Umfang und vor allem wo, stand bereits vorher fest. Das klingt zunächst nach einer organisatorischen Frage. Tatsächlich verändert dieses Wissen die Elternzeit erheblich. Man kann für einige Monate aus dem gewohnten Arbeitsleben heraustreten, ohne sich damit beschäftigen zu müssen, ob man anschließend überhaupt noch in dieses Arbeitsleben zurückkehren möchte.

Über den Autor
Philipp Macke ist Gründer von DaddyDo und Vater von drei Kindern. Er kennt die Fragen und Herausforderungen moderner Elternschaft aus dem eigenen Alltag und setzt sich intensiv damit auseinander, wie Familien Verantwortung fairer verteilen können.
Als Ambassador und Redakteur von Papammunity teilt er seine Erfahrungen in Testberichten, Ratgebern sowie weiteren Beiträgen.
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Arbeitszeitmodelle: Zahlen, Daten, Fakten
So erleben vermutlich viele Väter ihre Elternzeit. Sie steigen für eine begrenzte Zeit aus oder reduzieren ihre Stunden und kehren anschließend an ihren Arbeitsplatz zurück. Wie unterschiedlich die Ausgangslage von Müttern und Vätern weiterhin ist, zeigen die aktuellen Elterngeldzahlen. 2025 bezogen rund 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer Elterngeld. Der Männeranteil unter allen Beziehenden lag bei 25,9 Prozent.
Noch auffälliger ist die geplante Bezugsdauer: Frauen kamen durchschnittlich auf 14,9 Monate, Männer auf 3,8 Monate.
Elterngeld und Elternzeit sind zwar nicht dasselbe und aus diesen Zahlen lässt sich nicht ablesen, wie Familien ihren Alltag tatsächlich aufteilen. Sie zeigen aber einen erheblichen Unterschied darin, wie lange Mütter und Väter ihre Erwerbsarbeit rund um die Geburt eines Kindes verändern.
Eine kurze Elternzeit kann eine intensive und wichtige Zeit mit dem eigenen Kind sein. Beruflich bleibt sie aber häufig eine Unterbrechung mit einem bekannten Ende. Interessant wird es, wenn dieses Ende nicht feststeht. Dann geht es plötzlich um mehr als die Frage, wann man wieder anfängt zu arbeiten.
Wenn es kein festgelegtes Danach gibt
Bei meiner dritten Elternzeit war dieser Unterschied ziemlich konkret. Mein bisheriger Arbeitgeber hatte den Geschäftsbetrieb eingestellt. Es gab keinen Schreibtisch, keinen Vertrag und keinen vereinbarten Stundenumfang, zu dem ich nach einigen Monaten zurückkehren würde. Zum ersten Mal war nicht nur offen, wann ich wieder arbeiten würde, sondern auch was ich danach machen wollte.
Das verändert die Fragen, die während einer Elternzeit auftauchen. Wer weiß, dass im Oktober wieder der alte Job beginnt, muss im April nicht grundsätzlich darüber nachdenken, welchen Stellenwert Erwerbsarbeit künftig haben soll. Wenn diese Gewissheit fehlt, ist das schwieriger. Wie viel Zeit möchte ich später wieder für die Arbeit verwenden? Welche Teile meines bisherigen Berufslebens fehlen mir tatsächlich? Welche vermisse ich überraschend wenig? Und wie viel vom Familienalltag, der während einer längeren Elternzeit selbstverständlich wird, möchte ich anschließend wieder abgeben?
Diese Fragen sind keineswegs auf Gründungen beschränkt. Eine offene Elternzeit kann in den alten Beruf zurückführen, zu einem anderen Arbeitgeber, zu weniger Stunden, einer Weiterbildung oder einem kompletten Wechsel. Sie kann auch einfach bestätigen, dass der bisherige Weg ziemlich gut gepasst hat. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Rückkehr nicht bereits organisiert ist, bevor diese Fragen überhaupt gestellt werden.
Linktipp: Elternzeit aus der Papa-Perspektive von Richard
Für Väter könnte darin eine Erfahrung liegen, die angesichts der kurzen durchschnittlichen Elterngeldbezugsdauer noch vergleichsweise selten ist. Die Statistik beweist nicht, dass eine längere Elternzeit automatisch zu einer anderen Haltung gegenüber der Erwerbsarbeit führt. Sie wirft aber eine interessante Frage auf: Was passiert, wenn Väter lange genug aus ihrer bisherigen Arbeitsstruktur herauskommen, um nicht nur ihre Arbeitszeit zu unterbrechen, sondern auch über sie nachzudenken?
Vom Mental Load zur eigenen App
Bei mir begann diese Auseinandersetzung schon vor der dritten Elternzeit. Mit zwei Kindern habe ich mich immer intensiver mit Care-Arbeit und Mental Load beschäftigt und irgendwann einen ziemlich festen Vorsatz gefasst: Ich wollte davon mehr übernehmen. Nicht nur mehr einzelne Aufgaben erledigen, sondern stärker für den Teil verantwortlich sein, der vorher passiert.
Denn Kinder zum Arzt zu bringen ist eine Aufgabe. Zu wissen, wann welche Untersuchung ansteht, den Termin rechtzeitig zu vereinbaren und im Kopf zu haben, was dort besprochen werden sollte, ist eine andere. Ähnlich ist es mit neuen Schuhen, Kita-Terminen, Entwicklungsthemen oder den vielen kleinen Dingen, die irgendwann erledigt werden müssen und für die selten jemand offiziell zuständig ist. Viel Verantwortung im Familienalltag entsteht, lange bevor eine Aufgabe auf einer To-do-Liste landet.

Ich suchte nach einer Möglichkeit, mich dabei besser zu organisieren, und fing irgendwann an, mir selbst etwas zu bauen. Zunächst war das keine Gründungsgeschichte. Es war der Versuch, ein Problem in unserem eigenen Familienalltag zu lösen. Dann sprach ich mit anderen Vätern und Eltern und stellte fest, dass viele mit ähnlichen Fragen beschäftigt waren. Wie weiß ich eigentlich, was gerade ansteht? Woher bekomme ich die Informationen? Wie übernehme ich Verantwortung, ohne dass meine Partnerin weiterhin die Person sein muss, die den Überblick behält und Aufgaben verteilt?
Aus diesen Gesprächen wurde DaddyDo. Es folgten Nutzerbefragungen, Prototypen, eigene technische Versuche und mehrere Testrunden. Die Idee veränderte sich dabei mehrfach. Dinge, von denen ich überzeugt war, interessierten die Nutzer:innen kaum. Andere Themen, die ich anfangs für nebensächlich gehalten hatte, wurden wichtig. Irgendwann war das, was als Werkzeug für mich selbst begonnen hatte, groß genug geworden, um die Frage zu stellen, ob daraus ein echtes Produkt werden könnte.
Linktipp: Erfahre mehr zur DaddyDo Studie von Philipp
Inzwischen steht DaddyDo kurz vor dem öffentlichen Launch. Die App gibt Vätern passend zum Alter ihrer Kinder Informationen, Erinnerungen und konkrete Impulse für den Familienalltag. Das Ziel ist weiterhin sehr nah an dem Problem, mit dem alles angefangen hat: Wer Verantwortung übernehmen will, braucht die Möglichkeit, selbst zu wissen, was ansteht.
Was eine offene Elternzeit möglich macht
Dass DaddyDo in dieser Form entstehen konnte, hat viel mit meiner beruflichen Situation zu tun. Bei meinen ersten beiden Elternzeiten hatte ich ebenfalls kleinere Projekte. Sie blieben klein, auch weil klar war, was danach kam. Dieses Mal gab es diese Grenze nicht. Ich konnte einer Idee länger folgen, mit Menschen sprechen, Dinge ausprobieren und irgendwann entscheiden, noch mehr Zeit hineinzustecken.
Eine solche Offenheit hat allerdings zwei Seiten. Sie schafft Raum, weil der nächste berufliche Schritt noch nicht festgelegt ist. Gleichzeitig muss irgendwann entschieden werden, was aus diesem Raum entstehen soll. Bei einer Gründung wird diese Frage besonders konkret, weil aus Interesse irgendwann Arbeitszeit wird und aus Arbeitszeit irgendwann die Frage nach Geld.

Elternzeit ist schließlich keine Gründungsförderung. Ein Baby schafft keinen achtstündigen Arbeitstag für ein Startup, und mit weiteren Kindern wird der Kalender nicht übersichtlicher. Vieles an DaddyDo entstand in Zeitfenstern, die gerade verfügbar waren. Manche Pläne gingen auf, andere überhaupt nicht. Einige Dinge dauerten Monate länger als gedacht. Auch meine Vorstellung davon, wie schnell aus einer Idee ein Unternehmen werden kann, hat sich unterwegs verändert.
Der App Launch ist deshalb ein großer Schritt, aber er löst eine ziemlich profane Frage nicht: DaddyDo ist aktuell noch nicht an dem Punkt, an dem ich davon leben kann. Wenn meine Elternzeit endet, brauche ich wieder ein verlässliches Einkommen. Ich könnte versuchen, den wirtschaftlichen Druck auf DaddyDo deutlich zu erhöhen und meine gesamte Arbeitszeit darauf zu setzen. Ich habe mich dagegen entschieden. Die App soll die Chance bekommen, zu wachsen, ohne dass sie in den kommenden Monaten bereits meinen Lebensunterhalt finanzieren muss.
Damit führt mich diese Gründung ausgerechnet wieder zur Jobsuche. Als Teilzeit-Papa.
Teilzeit-Papa? 40 Stunden sind immer noch der Ausgangspunkt
Ich suche aktuell einen Teilzeitjob. Mein beruflicher Hintergrund liegt in Beratung, Projektmanagement und Innovation, und ich möchte auch weiterhin anspruchsvoll arbeiten, Verantwortung übernehmen und mit anderen Menschen Projekte voranbringen. Gleichzeitig möchte ich DaddyDo weiterentwickeln und nach dieser Elternzeit einen relevanten Teil meiner Woche für meine Kinder freihalten.
Auf dem Arbeitsmarkt stößt diese Kombination erstaunlich schnell an eine alte Selbstverständlichkeit: 40 Stunden sind bei vielen interessanten Stellen weiterhin der Ausgangspunkt. Besonders in der Beratung habe ich Positionen gefunden, die fachlich sehr gut passen, bei denen ein reduzierter Stundenumfang aber kaum vorgesehen ist. Natürlich gibt es inzwischen Unternehmen, die das anders organisieren. Trotzdem merkt man bei der Suche schnell, ob Teilzeit als vollwertiges Arbeitsmodell gedacht wird oder als individuelle Ausnahme, über die man am Ende vielleicht noch sprechen kann.
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Jetzt anmeldenFür Eltern ist das keine nebensächliche Frage. Wenn Verantwortung und interessante Aufgaben weiterhin eng an Vollzeit gekoppelt sind, muss die Familie am Ende entscheiden, wessen Arbeitszeit sich an Betreuung, Schulschluss, Arzttermine und den übrigen Alltag anpasst. Dass diese Anpassung noch sehr unterschiedlich verteilt ist, zeigen die Elterngeldzahlen zumindest indirekt. Männer planen durchschnittlich 3,8 Monate Elterngeldbezug, Frauen 14,9 Monate. Mehr lässt sich aus dieser Zahl allein nicht ableiten. Aber sie ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wer sein Erwerbsleben rund um die Geburt eines Kindes länger verändert.
Für mich ist Teilzeit deshalb keine Überbrückung, bis DaddyDo groß genug ist oder ich irgendwann wieder bereit für einen richtigen Vollzeitjob bin. Ich suche nach einer Arbeitsform, in der mehrere Dinge dauerhaft Platz haben können. Ob diese Kombination am Ende aus einer bestimmten Stelle, DaddyDo und vielleicht noch einer Weiterbildung besteht, weiß ich derzeit selbst nicht.
Es gibt ein Wort für diese Unordnung: Ambiguitätstoleranz
Irgendwann bin ich bei der Beschäftigung mit dieser Situation über den Begriff Ambiguitätstoleranz gestolpert.
Was bedeutet Ambiguitätstoleranz?
Gemeint ist damit, vereinfacht gesagt, die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit und widersprüchliche Anforderungen auszuhalten. Das klingt akademischer als das, was damit in meinem Alltag gemeint ist.
Das Beispiel meiner Ambiguitätstoleranz
Ich möchte, dass DaddyDo erfolgreich wird. Gleichzeitig sage ich offen, dass die App mich derzeit nicht ernähren kann. Ich möchte wieder einen anspruchsvollen Job und bin gleichzeitig nicht bereit, dafür automatisch 40 Stunden meiner Woche zu reservieren. Ich genieße die Zeit mit meinen Kindern und möchte trotzdem wieder stärker in einem beruflichen Umfeld mit anderen Erwachsenen arbeiten. Und während ich nach diesem Job als Teilzeit-Papa suche, denke ich auch noch darüber nach, ob jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt wäre, mich fachlich weiterzubilden.

Diese Wünsche lassen sich nicht zu einem perfekten Plan zusammensetzen. Zumindest im Moment nicht. Vielleicht wird DaddyDo schneller wachsen als erwartet. Vielleicht langsamer. Vielleicht finde ich einen Teilzeitjob, der für viele Jahre passt. Vielleicht verändert sich meine berufliche Richtung noch einmal. Die Unsicherheit daran ist manchmal anstrengend, weil eine klare Entscheidung natürlich leichter zu erzählen wäre.
Berufliche Biografien werden gern rückwärts erzählt. Dann ergibt ein Schritt den nächsten, und aus einer Entscheidung folgt scheinbar logisch die andere. Während man mittendrin steckt, fühlt sich das selten so ordentlich an. Elternzeit verstärkt diese Unordnung, weil sich gleichzeitig die verfügbare Zeit, die eigenen Prioritäten und die Anforderungen der Familie verändern. Wer danach einfach an einen bekannten Arbeitsplatz zurückkehrt, hat zumindest eine Konstante. Fehlt sie, muss man mehr neu sortieren.
Der Launch kommt trotzdem
In den kommenden Wochen soll DaddyDo in die App Stores kommen. Hinter der App liegen inzwischen mehr als ein Jahr Arbeit, mehrere Testrunden, sehr viele Gespräche und ebenso viele Änderungen an Dingen, von denen ich zwischendurch überzeugt war, dass sie längst fertig sein. Ohne die Menschen, die getestet, Feedback gegeben, Kontakte hergestellt, Wissen geteilt und das Projekt unterstützt haben, wäre daraus kein Produkt geworden.
Mit dem Launch ist eine der offenen Fragen damit zumindest beantwortet: DaddyDo kommt raus. Die anderen Fragen bleiben. Meine Elternzeit endet, ich suche einen Job als Teilzeit-Papa und werde gleichzeitig sehen, was passiert, wenn die App zum ersten Mal für alle verfügbar ist. Vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich gern gewusst, welcher dieser Wege am Ende der richtige sein wird.
Heute reicht mir erst einmal, dass ich keinen davon vorschnell schließen muss.

Das Papammunity-Team
Hey, ich bin Richard, Vollblut-Papa und zusammen mit meiner Frau Maren, ausgebildete Sozialassistentin & Erzieherin sowie studierte Sozialpädagogin aktuell in der Jugendhilfe tätig, führen wir als Eltern eines Sohnes den Elternblog „Papammunity“.

