Persönlicher Geburtsbericht aus der Papa-Perspektive

Wie im Schwangerschaftsbericht von Andreas angekündigt, folgt nun sein persönlicher Geburtsbericht des ersten gemeinsamen Kindes mit seiner Frau Fabienne. Ehrlich, schonungslos und emotional schildert er seine Eindrücke und Erfahrungen rund um die aufreibende Geburt.

Mein (positiver) Geburtsbericht aus der Papa-Perspektive

Eine durch schlechte Hollywood-Filme geprägte Vorstellung der Geburt, bei der meist eine rasante Fahrt ins Krankenhaus damit endet, dass das Kind noch im Auto zur Welt kommt, machte mich im Vorfeld schon ein bisschen nervös.

Unsere Fahrt zum Krankenhaus hatte jedoch rein gar nichts rasantes oder actionreiches. Im Gegenteil: Meine Frau fuhr selbst ganz entspannt hin.

Ich hatte das Glück bereits einige Tage vor dem ET ausschließlich aus dem Homeoffice heraus arbeiten zu können und zudem mit meinem Arbeitgeber vereinbart, dass mein Urlaub beginnt, sobald es mit der Geburt losgeht.

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Fabienne und Andreas

Die Frauenärztin hat meiner Frau eine Überweisung ins Krankenhaus ausgestellt, was nun also bedeutete, es ging endlich los. Die Taschen waren längst gepackt und meine Frau hatte eine kleine To-Do-Liste an die Kinderzimmertür geklebt, auf der minutiös alle Aufgaben aufgelistet waren, die es jetzt noch zu erledigen galt:

  • Die Hebamme anrufen,
  • Mutterpass einpacken
  • und und und.

Ich hatte auch meine Tasche gepackt, für den Fall der Fälle, dass wir eines der heißbegehrten Elternzimmer ergattern würden, was letztendlich natürlich nicht der Fall war. Ohnehin kam alles anders als gedacht.

Nachdem wir im Krankenhaus ankamen, hieß es erst einmal warten. Wieder drifteten Erwartungen und Realität auseinander. Nach etwa einer Stunde dann erstmal zum CTG. Dann zur Ärztin. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer noch davon aus, die Geburt unseres Sohnes stünde unmittelbar bevor. Dem jedoch widersprach die Ärztin auf der Station und teilte uns mit, dass bislang keinerlei Anzeichen für eine baldige Geburt vorlagen.

Es war Montagabend und eine stationäre Aufnahme meiner Frau nicht nötig. Stattdessen gab man uns Nelkenöltampons und einen meiner Frau nach ekelhaft schmeckenden Tee mit. Wir sollten am nächsten Morgen einfach wiederkommen und dann werde man weitersehen.

Geduldsspiel Geburt

Zu Hause angekommen, wussten wir beide nicht so recht, wie man die Situation einschätzen sollte. Am nächsten Morgen wollte man dann mit mechanischen Einleitungsmethoden beginnen. Wir oder zumindest ich dachte auch da noch, spätestens morgen ist es soweit. So zog sich die Woche hin.

Bis Freitag hatte sich trotz stetiger Erhöhung der Dilapan-S-Stäbchen nicht wirklich viel getan. Ich merkte von Tag zu Tag, wie sich die Stimmung bei meiner Frau und auch bei mir änderte. Die anfängliche Euphorie und Anspannung wich mehr und mehr. Eine gewisse Ernüchterung setzte ein, die ich aufzufangen versuchte, doch wusste ich selbst nicht genau, was ich sagen sollte.

Am Samstag wurde dann entschieden, dass wir mit chemischen Einleitungsmethoden fortfahren würden. Die erste Dosis der Angusta-Tablette bekam meine Frau am Samstagabend. Wieder tat sich nicht viel. Mit der Vergabe der Tabletten wurde meine Frau nun auch stationär aufgenommen und kam zunächst auf ein Vier-Bett-Zimmer, welches sie sich mit drei anderen schwangeren Frauen teilte, die ebenfalls auf ihre Geburt warteten. Nicht gerade eine Wohlfühlumgebung. Ständig Besuche von gestressten Ehemännern, auch nachts um halb 1 samt obligatorischer McDonalds-Lieferung, gemeckere übers Krankenhausessen und gegenseitiges Hochgestachele, wer nun die heftigsten Beschwerden ertrage, trieben meine Frau fast in den Wahnsinn.

Am Sonntag wurde dann mit der Gabe von Tabletten fortgefahren, doch immer noch wies das CTG keinerlei Aktivitäten auf. Wirklich Schlaf fand meine Frau in der Nacht nicht und auch ich fand zu Hause keine wirkliche Ruhe.

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Am Vormittag fuhr ich wieder zu meiner Frau ins Krankenhaus. Da hatte sie die erste Dosis des Tages an Agusta-Tabletten bereits bekommen. Wir pendelten den ganzen Tag zwischen Kreißsaal, CTG und Vier-Bett-Zimmer, beschlossen dann irgendwann, einen etwas längeren Spaziergang zu machen. Das könne Wehen fördern, sagte man uns und ein netter Nebeneffekt war, dass man dem Schnattern auf dem Zimmer für eine Weile entkommen konnte.

Irgendwann wurde es Abend und die letzte Dosis stand an. Für mich hieß es erstmal wieder nach Hause zu fahren und weiter zu warten.

Es geht los…

Am Montag Morgen um 6 Uhr klingelte mein Handy. Meine Frau war dran und sagte, sie sei nun im Kreißsaal, liege in der Badewanne und habe endlich Wehen. Ich sollte mich langsam auf den Weg machen, müsste mich jedoch nicht stressen. Der Weg von uns zuhause ins Krankenhaus dauert mit dem Auto etwa 15 Minuten. Ich duschte, putzte mir gleichzeitig die Zähne und war um 6:30 Uhr am Kreißsaal angekommen. Wieder einmal erlag ich der Vorstellung, nun gehe es wirklich los. Doch dieser Tag sollte einer der längsten überhaupt werden…

..oder doch nicht?

Nach der Badewanne, wieder CTG. Dann Zugänge legen. Wieder CTG. Dann die erste PDA. Wieder CTG. PDA sitzt nicht richtig. Die Nerven bei meiner Frau liegen blank. Zugang rutscht raus. Überall Blut. Zweite PDA. Sitzt dann endlich. Wieder CTG. Fruchtblase wird geöffnet. Muttermund öffnet sich nur langsam. Gymnastikstunde mit Hebamme. Wieder CTG. Doch es tat sich einfach immer noch nichts bzw. wenig.

Irgendwann schlug die Hebamme vor, man könne auch Schluss für heute machen und das Ganze morgen fortsetzen. Ich antwortete nur. “Mhh, Ja dann ist das so.” Kleiner Tipp, das ist nicht das, was man an dieser Stelle vom Partner hören will.

Die Belastung meiner Frau an diesem Tag war so groß, dass allein die Vorstellung einer weiteren Nacht unter diesen Bedingungen verbringen zu müssen, in ihr den nächsten mentalen Tiefpunkt auslöste.

Was lange währt

Mittlerweile war meine Frau mehrfach verkabelt und lag wieder in Rückenlage im Kreißsaalbett. Es war etwa 19:15 Uhr, als man nochmal Schmerzmittel nachlegen wollte. Zuvor warf die Hebamme aber nochmal einen Blick auf den Muttermund. Bei der letzten Begutachtung vor einer Stunde war dieser gerade einmal zur Hälfte geöffnet und eine baldige Geburt in weiter Ferne. Jetzt jedoch ging alles rasend schnell. In nur einer Stunde hatte sich der Muttermund vollständig geöffnet und auch die Hebamme wurde merklich schneller in ihren Handlungen.

Meine Frau hatte sich im Vorfeld dafür entschieden, im sogenannten Vierfüßlerstand zu gebären, doch mit all den Kabeln, die zu verschiedensten Geräten führten, war daran nun nicht mehr zu denken.

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Mit ein wenig Hilfe konnte meine Frau aus dem Bett aufstehen und sich bäuchlings darüber lehnen, nachdem wir es ein wenig höher gefahren haben. Ich stellte mich auf die andere Seite des Bettes, sodass ich ihr gegenüberstand. Ich nahm ihre Hände und musste unweigerlich daran denken, dass sie gleich Kräfte entwickeln würde, die locker ausreichen, mir die Finger zu brechen. Doch auch hier wurde meiner Vorstellung, Gott sei Dank, nicht entsprochen.

Es war nun viertel vor Acht am Abend, wir hielten uns die Hände und die Hebamme gab den Befehl zu pressen. Die folgenden 15 Minuten haben sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt. Ich habe meine Frau noch nie so stark erlebt. All die Torturen im Vorfeld, die lange Woche der Einleitungsversuche und der kräftezehrende Tag waren komplett vergessen. Alles mündete in diesem einen Moment. Meine Frau entfaltete Kräfte, von denen ich dachte, dass sie diese gar nicht mehr hätte. Ich dachte, ihre Reserven müssten längst aufgebraucht sein. Kurz darauf wurde unser Sohn geboren und alles ging irgendwie rasend schnell.

Ein erstes Kennenlernen in Anbetracht purer Emotionen

Im Raum waren neben der Hebamme und einer Schülerin mittlerweile zahlreiche weitere Leute. Alles war sehr wuselig. Man legte den Kleinen direkt zu meiner Frau an die Brust, nachdem sie sich, immer noch mit diversen Kabel versehen, zurück ins Bett gelegt hatte. Da sah ich ihn dann zum ersten Mal. Die Emotionen sind unbeschreiblich. Ich habe tausend Sachen gleichzeitig gefühlt und keinen klaren Gedanken fassen können. Ein kleines Wesen, das nun existierte, Teil dieser Welt war und fortan das Wichtigste in meinem Leben sein sollte.

Natürlich realisierte ich das nicht alles in diesem Moment. Auch dieser Gedanke brauchte Zeit zu reifen, doch das Bewusstsein dieses Gedankens wurde mit dem Kleinen geboren.

Schnell jedoch wurde ich aus meinem Gedanken-Wirr-Warr gerissen, als es galt, die Nabelschnur zu durchtrennen. Eigentlich hatte ich mich im Vorfeld gesträubt, diesen Part zu übernehmen, doch in dem Moment dachte ich nicht wirklich darüber nach. Ich dachte einzig, „Stell Dich nicht so an und halt den Laden hier nicht weiter auf.

So tat ich wie mir geheißen und durchtrennte, was den Kleinen noch physisch mit meiner Frau verbunden hatte.

Es folgte die U1, also die erste Untersuchung bei Neugeborenen. Er wurde vermessen und es wurde gecheckt, ob auch alle Gliedmaßen an Ort und Stelle verbaut wurden. Alles ok und ein kleiner Stein fiel mir vom Herzen. Nun war die Zeit gekommen, als man mir den Kleinen auf den Arm legte und sich um etwaige Verletzungen meiner Frau kümmerte. Da saß ich mit einem kleinen Wesen auf dem Arm und war einfach unglaublich glücklich.

Es blieb uns jedoch nicht allzu viel Zeit zum Kennenlernen, da man den Kreißsaal offensichtlich schon wieder für die nächste Geburt fertig machen wollte. Es dauerte etwa zwei Stunden nach der Geburt, ehe wir schon wieder unterwegs in Richtung Stationszimmer waren. Auf dem Weg dorthin begleitete mich ein Gedanke. Jetzt ist ein neues Kapitel angebrochen. Und ich war einfach froh, dass alles gut gegangen war. All die Vorstellungen, alle die Vorsätze, die man sich im Vorfeld zur Geburt so machte, waren gänzlich egal. Alles kam anders als gedacht.

Fazit: Mein Geburtsbericht

Letztlich haben wir uns situativ von Entscheidung zu Entscheidung gehangelt. Ich habe dabei versucht, meine Frau so gut wie möglich zu unterstützen. Und das kann vieles bedeuten:

  • Das kann bedeuten sich während der Schwangerschaft ihrem Nestbautrieb zu unterwerfen,
  • Sonntagabends eine Apotheke zu suchen um Nasenspray zu besorgen,
  • Bücher zu studieren und Geburtsvorbereitungskurse zu besuchen,
  • sich noch vor der Geburt Kindertagesstätten anzusehen.
  • Es kann auch bedeuten, im Kreißsaal die Interessen meiner Frau gegenüber Hebammen und Ärzt:innen zu vertreten, wenn sie das gerade nicht kann, oder ich endlich meinen Beitrag leisten kann.

Doch das hatte ich schon die ganze Zeit getan, war mir dessen jedoch nie wirklich bewusst. Denn meine Frau trug ja die ganze “Last”. Jetzt weiß ich, dass es kein Du oder Ich in der Konstellation gibt, sondern das Ganze nur funktioniert, weil man das Wir in den Vordergrund stellt. Und das ist meine elementare Erkenntnis aus dem Prozess von der Schwangerschaft, über die Geburt bis hin zu dem, was wir jetzt sind – eine kleine Familie.

Alles Gute, Andreas.

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Das Papammunity-Team

Hey, ich bin Richard, Vollblut-Papa und zusammen mit meiner Frau Maren, ausgebildete Sozialassistentin & Erzieherin sowie studierte Sozialpädagogin aktuell in der Jugendhilfe tätig, führen wir als Eltern eines Sohnes den Elternblog „Papammunity“.

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