Vater und Männercoach Witalij Deifel gibt in seinem Ratgeber für Papammunity seine Definition der Vaterrolle wieder und zeigt damit (werdenden) Vätern hilfreich auf, was es heutzutage braucht, um als Vater seinen Kindern ein Vorbild zu sein.
Ein persönlicher Beitrag über Verantwortung, alte Rollenbilder und echte Nähe.
Inhaltsverzeichnis – Deine Mehrwerte in diesem Artikel
Vatersein: Doch wer bereitet uns auf das Geschenk vor?
Vater zu sein ist etwas Wunderschönes. Und doch werden wir darauf nicht vorbereitet. Ich wurde nicht vorbereitet. Mir wurde es weder vorgelebt, geschweige denn wirklich kommuniziert. Niemand von uns hat das Elternsein erfunden und wir alle werden entscheidend durch unsere Eltern und unser Elternhaus geprägt. So auch die Vaterrolle.
Viele Väter glänzen durch Abwesenheit, nicht, weil sie ihre Familie nicht lieben, sondern weil sie in alten Rollenbildern gefangen sind. Wir haben gelernt, dass unser Wert in Leistung liegt, dass ein „guter Mann“ versorgt, beschützt, funktioniert. Doch diese Prägung hat eine Kehrseite: Wir sind körperlich da, aber emotional oft weit weg.
Das erzeugt eine toxische Dynamik. Die Mutter bleibt mit Haushalt, Care-Arbeit und den mentalen To-dos zurück. Sie trägt emotional alles und bekommt gesellschaftlich kaum Anerkennung. Diese Schieflage überlastet Familien, Beziehungen, Frauen und auch uns Männer.
Abwesenheit vs. Anwesenheit
Familie ist etwas wundervolles, aber auch etwas, das alles verändert. Jeder Vater hat seine eigene Vorstellung davon, was „Vatersein“ bedeutet. Doch die Art, wie wir uns als Vater sehen, wird fast immer durch die Beziehung zu unserem eigenen Vater geprägt.
Vielleicht war Dein Vater liebevoll. Vielleicht war er distanziert. Vielleicht war er gar nicht da.
Scheidung, Arbeit, emotionale Kälte, all das hinterlässt Spuren in uns Männern. Diese Spuren bestimmen, wie wir unsere eigene Vaterrolle leben.
Denn Du bist die Summe deiner Vergangenheit. Und wenn Du sie nicht reflektierst, übernimmst Du unbewusst den vorgelebten Weg.
Das Problem: Kaum ein Mann hat wirklich Zeit oder Raum, sich ehrlich mit dieser Frage auseinanderzusetzen:
- Was für ein Vater möchte ich eigentlich sein?
- Wie möchte ich die Vaterrolle in der Familie ausfüllen?
Das Leben wartet nicht. Es läuft. Verantwortung, Arbeit, Verpflichtungen, Rechnungen, vielleicht Schulden oder Sorgen und plötzlich ist da eine Familie. Alles dreht sich ums Kind. Und Du? Funktionierst.
Deine Vaterrolle: Selbstreflexion als Schlüssel
Ich weiß, wie schwer das ist. Früher war ich alles, nur kein Vorbild. 2013 plante ich mit meiner damaligen Partnerin, eine Familie zu gründen. Meine körperliche und mentale Verfassung war desaströs. Ich hatte Übergewicht, steckte in einem Burnout fest, ohne zu wissen, wie ich da wieder rauskomme, und kompensierte extrem viel über Alkohol und Essen.
Bis ich 2020 Vater wurde. Dieser Moment war ein Wendepunkt. Ich hatte vorher bereits begonnen, an mir zu arbeiten, körperlich, mental und emotional. Und doch wurde mir erst mit der Geburt meines Kindes bewusst, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen.
Vatersein ist kein Status. Es ist ein Prozess. Ein tägliches Lernen. Ein Spiegel, der Dir zeigt, wo Du stehst.
Deine Frau, Deine Kinder, sie zeigen Dir Deine Themen. Nicht, um Dich zu kritisieren, sondern damit Du wachsen kannst.
Extreme Ownership ist für mich der Schlüssel für das Übernehmen einer aktiven und bindungsorientierten Vaterrolle:
Es geht immer zuerst um Dich nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstverantwortung. Denn wer Verantwortung für sich selbst übernimmt, wird automatisch zu einem besseren Partner, Vater und Mensch.
Zeit und Prioritäten: neu definieren
Wir Männer sind es gewohnt, Leistung mit Wert zu verknüpfen. Ein Gespräch mit einem anderen Vater hat mir das noch einmal deutlich gezeigt.
Sein eigener Vater war immer arbeiten, selten präsent. Heute ist sein Terminkalender genauso voll. Er sagt: Ich mache das für meine Familie. Doch hinter diesem Satz steckt oft etwas anderes: eine Überidentifikation mit Arbeit.
Arbeit wird zur Quelle von Anerkennung, Kontrolle und Selbstwert. Wir glauben, erst dann wertvoll zu sein, wenn wir leisten. Aber diese einseitige Identifikation macht uns krank und sie trennt uns von dem, was wirklich zählt, wodurch die Vaterrolle in den Hintergrund gerät.
Selbst Profisportler planen Pausen. Nur der Amateursportler gibt Vollgas, bis er zusammenbricht. Doch genau so leben viele Männer. Wir machen Pausen erst, wenn Körper oder Beziehung am Limit sind.
Familien brauchen keine perfekten Väter, sie brauchen präsente Väter. Männer, die da sind. Nicht ständig, aber bewusst.
Präsenz ist kein Zeitproblem, sondern ein Bewusstseinsproblem. Nur wer sich von alten Glaubenssätzen wie z. B. Nur wenn ich arbeite, bin ich wertvoll löst, kann wirklich anwesend sein.
Wert neu denken
Gesellschaftlich betrachtet hat Familie in Deutschland einen erschreckend geringen Stellenwert. Für Familie gibt’s keine Likes, kein Geld, keinen Bonus.
Aber es gibt etwas anderes: Tiefe. Verbundenheit. Sinn.
Familie bedeutet Verzicht – ja. Weniger Schlaf, weniger Freiheit, weniger Ich-Zeit. Aber sie schenkt Dir etwas, das kein Job der Welt ersetzen kann: ein Zuhause und Menschen, die Dich brauchen.

Und wenn Du Dich fragst, ob das wirklich zählt, erinnere Dich daran: Arbeit kommt und geht, Du kannst sie jederzeit wechseln. Aber Familie bleibt vom ersten Moment an.
Die Vaterrolle im Wandel der Zeit: Alte Rollen – neue Wege
Früher war das Rollenmodell klar:
Der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich.
Doch diese Zeiten sind vorbei und gleichzeitig noch zu tief in uns verankert. Viele Männer folgen diesem Muster, ohne es zu wollen. Viele Frauen kämpfen damit, ohne es zu benennen.
Die Wahrheit ist:
Ohne Deine Frau könntest Du keine Karriere machen. Und ohne Dich könnte sie nicht Familie leben.
Es geht nicht um Gleichmacherei, sondern um Gleichwertigkeit. Um ein neues Verständnis von gleichberechtigter Elternschaft, das auf Augenhöhe basiert. Care-Arbeit respektieren, Verantwortung teilen, füreinander da sein, das ist moderne Männlichkeit.
Mann und Frau arbeiten bzw. wirken heute Hand in Hand. Nicht in Konkurrenz, sondern in Koexistenz.
Sei der Vater, den Du Dir gewünscht hast
Wenn Du zurückschaust. Was hättest Du Dir als Kind von Deinem Vater gewünscht?
Zeit? Verständnis? Ein echtes Gespräch? Eine Umarmung?
Dann frag Dich: Was musst Du heute tun, um dieser Vater zu sein? Wie kannst Du eine Vaterrolle übernehmen, so dass Deine Kinder Dich als Vorbild wahrnehmen?
Dein Kind verdient einen Vater, der präsent ist. Der hinschaut, der fühlt, der wächst.
Der mutig genug ist, eigene Wunden zu heilen, damit seine Kinder keine tragen müssen.
Präsenz ist das neue Starksein
Sei ein Vorbild, nicht durch Worte, sondern durch Taten. Deine Kinder brauchen keinen perfekten Helden, sondern einen echten Menschen. Einen Vater, der Fehler macht, sich diese eingesteht, aber Verantwortung übernimmt.
Denn wahre Stärke zeigt sich nicht in Kontrolle, sondern in Verbindung. In einer Vater-Kind-Bindung, die auf einem gesunden, starken Fundament aufgebaut ist.
Sei der Vater, den Du selbst gebraucht hättest.
Witalij – Der friedvolle Krieger
Familienvater & Coach für Väter

Über den Autor
Witalij Deifel ist zweifacher Vater und kennt den täglichen Spagat zwischen Verantwortung, Belastung und dem Wunsch, ein guter Mann, Papa und Vorbild zu sein. Nach eigenen Erfahrungen mit Burnout und extremen Herausforderungen weiß er, wie wichtig es ist, sich weiterzuentwickeln, Hilfe anzunehmen, generationsübergreifende Themen aufzulösen und echte Präsenz für die Familie zu schaffen. Aus dieser Erfahrung heraus begleitet er Väter dabei, Klarheit im Chaos ihrer Gefühle und Gedanken zu finden und gestärkt zu dem Vorbild zu werden, das sie sich als Kinder selbst gewünscht hätten – um diese Klarheit auch an ihre eigenen Kinder weiterzugeben.

Das Papammunity-Team
Hey, ich bin Richard, Vollblut-Papa und zusammen mit meiner Frau Maren, ausgebildete Sozialassistentin & Erzieherin sowie studierte Sozialpädagogin aktuell in der Jugendhilfe tätig, führen wir als Eltern eines Sohnes den Elternblog „Papammunity“.

Ich bin selbst zwar kein Vater, finde diesen Beitrag dennoch sehr inspirierend. Der für mich beste Satz:
Vatersein ist kein Status. Es ist ein Prozess.
Großartigst!
Liebe Grüße
Hey Eddy,
das freut mich ganz besonders, dass Dich der Artikel inspiriert hat auch ohne eigene Kinder zu haben.
Ganz liebe Grüße,
Richard.