Eltern sein, Schulkind

Verbieten oder befähigen? Der Medienführerschein macht eure Kids fit für’s Netz

Juni 08, 2026
2 Kommentare
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Smartphone-Verbot oder doch lieber drauflos scrollen lassen? Hamburger Eltern haben eine bessere Lösung entwickelt – und die heißt: Medienführerschein. Erfahre, was die Gründer der OnlineCrew mit ihrem Projekt verfolgen, um Kinder gezielt auf den Umgang mit einem Smartphone vorzubereiten.

Das Dilemma, das wir alle kennen

Hand aufs Herz: Wer von uns hat nicht schon mal hilflos daneben gestanden, während das Kind zum x-ten Mal „nur noch fünf Minuten“ am Handy hängt? Oder sich gefragt, was da eigentlich im Klassenchat so abgeht? Die digitale Welt unserer Kinder fühlt sich manchmal an wie ein Paralleluniversum während wir Eltern draußen vor der Tür stehen.

Die politische Debatte macht es nicht einfacher: Australien hat Social Media für unter 16-Jährige verboten. Die EU könnte bald nachziehen. Bundeskanzler Merz sympathisiert mit Altersgrenzen, die SPD fordert Verbote für unter 14-Jährige. Und wir Eltern? Wir stehen dazwischen und fragen uns: Ist Verbieten wirklich die Lösung?

Die OnlineCrew: Drei Eltern, eine Idee

Stefan Böff sowie Vitesse und Florian Schleinig aus Hamburg haben sich genau diese Frage gestellt. Gefunden haben sie eine Antwort, die nicht auf Verbote setzt: den Medienführerschein der OnlineCrew.

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Mit dem Medienführerschein unterstützt die OnlineCrew Familien im Umgang mit dem Smartphone

„Die Frage ist nicht, OB Kinder ins Netz gehen – sondern wie gut sie vorbereitet sind, wenn sie es tun.“

Das sagt Vitesse Schleinig, die seit rund zwanzig Jahren beruflich mit sozialen Netzwerken arbeitet. Wir haben als Eltern erlebt, wie hilflos man sich fühlt, wenn das Kind seine Zeit im Internet verbringen möchte und es keinen Kurs gibt, der wirklich vorbereitet. Also haben wir einen gebaut.

Klingt logisch, oder? Wir schicken unsere Kids ja auch nicht ohne Schwimmkurs ins tiefe Wasser. Warum sollte das Internet anders sein?

Linktipp: Medienkonsum und Bildschirmzeit: Was Eltern wissen sollten

Was ist der Medienführerschein eigentlich?

Stellt euch den Medienführerschein wie einen Schwimmkurs fürs Internet vor. In 18 kurzen Lerneinheiten – jede maximal zehn Minuten lang – lernen eure Kinder alles, was sie für ein sicheres und faires Verhalten online brauchen.

Und das Beste: Es geht nicht um langweilige Technik-Tutorials oder das Erklären von Buttons. Der Online-Kurs konzentriert sich auf das, was wirklich zählt:

  • Verhalten: Wie gehe ich respektvoll mit anderen um – auch im Klassenchat?
  • Schutz: Wie schütze ich meine persönlichen Daten?
  • Entscheidungen: Wie erkenne ich Fake News und Manipulation?

Das sind Kompetenzen, die bleiben. Egal welche App gerade angesagt ist oder welche Plattform morgen neu auf den Markt kommt, der unter Anleitung gelernte Umgang ist ein gesundes, bleibendes Fundament.

Warum das Konzept funktioniert

„Kinder hören nicht auf Verbote – aber sie hören aufeinander.“

Das erklärt Florian Schleinig, Mitgründer der OnlineCrew und selbst Vater eines Zehnjährigen.

Genau hier setzt der Medienführerschein an: Die Kinder durchlaufen die Level, sammeln Badges für ihren Lernfortschritt und schließen am Ende einen sozialen Vertrag für faires, respektvolles Verhalten online. Das ist keine Moralpredigt von oben, sondern Peer-to-Peer-Motivation.

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Gemeinsam mit dem Medienführerschein sicher im Netz unterwegs

Jede Lerneinheit startet mit einem kurzen Video zu einer alltagsnahen Situation. Danach kommt fundiertes Wissen, und am Ende ein kurzer Check, ob alles verstanden wurde. Nach erfolgreichem Abschluss aller Einheiten gibt’s den Medienführerschein. Ein echtes Erfolgserlebnis für die Kids, das motiviert und auf andere übertragen wird.

Das System hinter den Apps verstehen

Ein Aspekt, den ich besonders wichtig finde: Der Medienführerschein erklärt auch das System dahinter. Fragen wie:

  • Wer entscheidet eigentlich, was ich auf Social Media sehe?
  • Woher weiß der Feed so genau, was mir gefällt?
  • Warum sammeln Webseiten meine Daten?

Hinter jeder App, jedem Feed und jedem Like stecken Geschäftsmodelle und Algorithmen, die von Menschen gemacht sind und ein Ziel verfolgen: unsere Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu halten. Das müssen unsere Kinder von Anfang an verstehen. Denn nur wer das System kennt, kann souverän damit umgehen.

Was haben wir Eltern davon?

Ganz ehrlich: Wir werden entlastet. Der Medienführerschein nimmt uns nicht die Verantwortung ab, aber er gibt uns konkrete Werkzeuge an die Hand.

Zu jedem Level erhaltet ihr als Eltern ein Level-Update mit:

  • Zusammenfassung, was euer Kind gerade gelernt hat
  • Gesprächsimpulse für den Familienalltag
  • Weiterführende Informationen

So wisst ihr immer, worum es gerade geht, und habt direkt Anknüpfungspunkte für Gespräche. Kein peinliches Nachfragen mehr, kein Gefühl, abgehängt zu sein.

Linktipp: Zenbox – Weniger Smartphone, mehr Familie

Der Medienführerschein wird unterstützt von echten Expert:innen

Was mich als Vater überzeugt: Der Medienführerschein ist kein Hobbyprojekt, sondern wird von namhaften Organisationen unterstützt:

  • Fürstenberg Foundation:führend im Bereich psychische Gesundheit und Prävention
  • HateAid: Expertise bei digitaler Gewalt und Hate Speech
  • JUUUPORT: die bundesweite Peer-to-Peer-Beratungsplattform für Jugendliche
  • NYZZU:die sichere Social-Media-App für Familien
  • Und natürlich Papammunity: weil wir Väter die Elternperspektive einbringen

Außerdem wird der Online-Kurs am Albert-Martmöller-Gymnasium in Witten praktisch erprobt und weiterentwickelt.

Für Familien UND Schulen

Der Medienführerschein funktioniert in der Familie genauso gut wie in der Schule. Lehrkräfte bekommen fertige Begleitmaterialien, Checklisten und konkrete Gesprächsanlässe. Alles ready to use, kein Extra-Aufwand.

Das ist wichtig, denn: Medienkompetenz sollte nicht davon abhängen, ob Eltern zufällig technikaffin sind oder nicht. Der Medienführerschein schafft eine gemeinsame Basis für alle Kinder.

Was kostet der Medienführerschein der OnlineCrew?

Der Online-Kurs ist für Familien ab 14 Euro einmalig verfügbar. Keine Abo-Falle, keine versteckten Kosten. Für Schulen gibt es Klassen- und Schullizenzen auf Anfrage.

Und falls ihr euch fragt, wohin das Geld fließt: Die OnlineCrew ist als gemeinnützige gUG organisiert. Die Hälfte der Erträge geht in die Weiterentwicklung des Medienführerscheins. Die andere Hälfte wird an Organisationen gespendet, die sich für das Wohl von Kindern einsetzen.

Exklusiver Rabatt für den Medienführerschein

Für die Leser:innen unserer Papammunity dürfen wir einen exklusiven Rabatt anbieten. Mit dem Code #PAPAMMUNITY zahlt ihr nur 11 Euro!

Machen statt reden

„Die Debatte dreht sich im Kreis zwischen Verbieten und Erlauben.“

Sagt Stefan Böff, Mitgründer der OnlineCrew. Was fehlt, ist ein konkretes Programm, das Kinder tatsächlich vorbereitet. Und darum diskutieren wir nicht mit, sondern bringen etwas auf den Weg. Machen statt reden.

Das ist ein Ansatz, den ich als Vater sofort unterschreiben kann. Während Politik und Wissenschaft noch debattieren, können wir jetzt etwas tun. Unsere Kinder warten nicht auf EU-Richtlinien oder Expertenkommissionen.

Für wen ist der Medienführerschein geeignet?

Der Online-Kurs richtet sich an Kinder ab der 5. Klasse. Also genau das Alter, in dem die meisten Kids ihr erstes Smartphone bekommen und die digitale Welt so richtig entdecken.

Der perfekte Zeitpunkt, um sie nicht ins kalte Wasser zu werfen, sondern ihnen den Schwimmkurs zu geben, den sie verdienen.

Fazit: Befähigen statt verbieten

Verbote klingen einfach, sind es aber nicht. Sie schaffen Verbotenes und damit Reiz. Sie funktionieren nur so lange, bis das Kind 16 wird. Und dann? Dann steht es ohne jede Vorbereitung da.

Der Medienführerschein geht einen anderen Weg: Befähigen statt verbieten. Kinder stark machen, statt Zäune höher bauen. Kompetenz aufbauen, statt Angst schüren.

Als Vater finde ich: Das ist genau der Ansatz, den wir brauchen. Nicht weil Verbote grundsätzlich falsch wären, sondern weil sie allein nicht reichen. Das sagen übrigens auch das Deutsche Kinderhilfswerk, der Lehrerverband und die Leopoldina.

Unsere Kinder werden im Netz unterwegs sein. Die Frage ist nur: Sind sie vorbereitet?


Zum Team der OnlineCrew

Vitesse Schleinig befasst sich seit rund zwanzig Jahren beruflich mit sozialen Netzwerken. Damals diente Facebook nur dem Austausch von Freundinnen und Freunden, heute ist Hate Speech Gang und Gäbe. Doch sie ist überzeugt, dass wir unseren Kindern das Smartphone nicht auf ewig verbieten können und dass es umso wichtiger ist, von Anfang an zu sensibilisieren. Trauen wir ihnen etwas zu! Und schaffen wir Vertrauen, indem wir sie begleiten und enablen. Sie ist Mama eines Sohnes, und lebt mit ihrem Mann Florian und zwei Katzen in Hamburg.

Florian Schleinig bewegt sich seit über 15 Jahren in der Kommunikationsbranche. Als Teil von Agenturen und Kommunikationsabteilungen gestaltete er den Rahmen und Raum von Unternehmen und ihrer Botschaften über alle Kanäle hinweg. Aktuell arbeitet er in einer Unternehmensberatung für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors und engagiert sich noch ehrenamtlich bei REDEZEIT FÜR DICH – einer sozialen Organisation mit über 350 ausgebildeten ehrenamtlichen Zuhörenden, die er vor über sechs Jahren gegründet hat. Zudem ist er Co-Host des zweiwöchentlichen Elternpodcast Echte Papas. Das seelische Wohlbefinden von Menschen liegt ihm am Herzen. Und mit dem Medienführerschein möchte er positiv auf das von Kindern einwirken.

Stefan Böffs wichtigste Rolle beginnt zu Hause: Er ist Vater eines sechsjährigen Sohnes. Beruflich gestaltet er als Geschäftsführer von Education-Start-ups und KMU die Verbindung von Bildung, Technologie und Gesellschaft. Digitale Medien versteht er nicht nur als Konsumangebot, sondern als Werkzeug: zum Gestalten, Ausprobieren und Erschaffen. Ihm ist wichtig, Kinder zu enablen – weg vom passiven Scrollen, hin zu einem bewussten, kreativen und selbstwirksamen Umgang mit digitalen Möglichkeiten. Aus eigener Erfahrung weiß er: Verbote greifen zu kurz. Entscheidend sind Begleitung, Inspiration und Vertrauen in die Fähigkeiten der nächsten Generation. Sein Antrieb ist es, Räume zu schaffen, in denen Lernen, Technologie und Verantwortung zusammenkommen – praxisnah, verständlich und auf Augenhöhe.

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Geschrieben von

Richard

Richard ist Gründer des Papammunity Elternblog. Als Vater eines gemeinsamen Sohnes mit seiner Frau Maren teilt er seine Erfahrungen als Papa, führt gemeinsam informative Produkttests durch und erstellt wissenswerte Ratgeber für (werdende) Eltern. Als werdender Vater habe ich alle Aspekte von der Schwangerschaft, Frauenarztbesuchen sowie dem Bonding bei der Geburt alles begleitet. Mir war es immer wichtig, ein gleichberechtiger Teil der Familie zu sein, auch bei den Phasen, in denen wir als Mann nur begleitend zur Seite stehen können. Seither hat mich der Begriff "aktive Vaterschaft" geprägt, was ein wesentlicher Aspekt ist, der mich bei unserem Elternblog antreibt. Dank meiner eigenen Erfahrungen als Vater sowie zahlreicher Stunden der Recherche sowohl online als auch mithilfe diverser Elternratgeber, dem Austausch mit anderen Vätern, konnte ich mir einen Wissensschatz aufbauen, der Teil unserer informativen Ratgeber, Produkttests und Erfahrungsberichte auf Papammunity ist. Mich motiviert, mit unserem Blog für Väter und Mütter eine Plattform anzubieten, die Wissen teilt, für Erfahrungsaustausch unter (werdenden) Eltern steht und unterhaltsam ist.

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2 Kommentare zu „Verbieten oder befähigen? Der Medienführerschein macht eure Kids fit für’s Netz“

  1. Finde ich an sich eine gute Sache. Allerdings habe ich in der Realität schon ganz andere Dinge gesehen. Bei uns kam die 1. Debatte bezüglich den verschiedenen Apps bereits in der 4. Klasse auf. Und da war das ein oder andere Kind bereits in den Brunnen gefallen. Ich denke somit der Ansatz 5. Klasse ist fast schon zu spät, wenn man danach geht, ab wann teilweise die Kids ihr 1. Smartphone bekommen. Oftmals nicht mal, weil die Kinder danach fragen, sondern weil die Eltern es gerne möchten.
    Ich kenne solche Learnings von Arbeit aus, wenn wir mal wieder über die Gefahren des Internets aufgeklärt werden. Ich bezweifle, dass sich das ein oder andere Kind da mit Hingabe ran setzt und diese Kurse durchläuft. Das Medaillien-Prinzip wirkt ja nicht mal bei mir *gg*
    Ich finde es an sich gut, dass die App auch mit den Eltern zusammen arbeitet, allerdings muss ich hier mal das aufgreifen, was ich letztens bereits auf einem Blog gelesen habe. Es ist gut und wichtig, dass die Kinder dann diese Zertifikate erhalten, aber wer denkt an die Eltern? Für diese wäre es manchmal genauso wichtig, solche Medienschulungen zu erhalten. Denn hier wurde immerhin bereits in meiner Jugend viel falsch gemacht. Ich denke, dass „Problem“ ist viel tiefgreifender als es aktuell gesehen wird.
    Aber nochmal, ich will eure Initiative nicht schlecht reden, ich finde es gut, dass was getan wird und wünsche euch viel Glück mit eurem Projekt.

    Antworten
    • Hallo liebe Mesalunita,
      ein herzliches Dankeschön für Dein Feedback und das Teilen Deiner Erfahrungen!
      Ich denke auch, dass es die Herausforderung ist, alle Familien abzuholen. Gleichzeitig spielen aus meiner Sicht die Eltern hierbei eine ganz entscheidende Rolle: Wie sehr agieren wir als Vorbild im Sinne der Smartphone-Nutzung?
      Den Medienführerschein in der Form sollten Eltern auch ruhig machen. Ich habe es in Vorbereitung auf den Artikel hier gemacht und bin überzeugt, dass er auch vielen vielen Eltern eine echte Hilfe ist bzw. wichtiges rund um das Smartphone und Social Media vermittelt.
      Ich bin bei Dir, wir brauchen genau diese Initiativen, da ein striktes Verbot nur das Gegenteil bewirken würde und es so Möglichkeiten gibt, Eltern und Kinder frühzeitig abzuholen.
      LG, Richard.

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