„Der Eltern Kompass“ – die Buchrezension

Der Eltern Kompass – das neue Buch von Spiegel Bestseller-Autorin Nicola Schmidt – ist ein Mix aus Ratgeber und eigenem Erfahrungsschatz als Mutter. Sie blickt hinter all die Studienergebnisse der vermeintlich „richtigen“ Erziehung von Kindern und räumt dabei mit selbigen ordentlich auf. Mit ihrer hartnäckigen Hinterfragung der gängigen Forschungen, wandelt sich ihr Verständnis der Mutterrolle immer mehr und sie besinnt sich auf die wenigen notwendigen Eigenschaften, die aus einem Säugling einen prächtig entwickelten Menschen machen: ein starkes Selbstwertgefühl, ein stabiles Stresssystem und Resilienz. So startet das Buch auch direkt mit ihren eigenen Unsicherheiten als Mutter und die vielen Fragen, die sich daraus ergeben haben. Der Beginn einer Reise zu einer klareren und sehr gut nachzuempfindenden Rolle der Mutter und des Vaters.

Der Eltern Kompass aus dem Gräfe und Unzer Verlag: für mich ein Anti-Ratgeber für Eltern, der sympathisch munter und ermutigend daherkommt. Für mich eine Pflichtlektüre für sowohl werdende Eltern, als auch bereits gestandene Eltern, die im Familienalltag von Zeit zu Zeit eine Stütze gut gebrauchen können.

Das erwartet Dich

Der Aufbau von „Der Eltern Kompass"

Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert. Nach einem Einleitungsteil, der aus den eigenen Erfahrungen als Mutter besteht, folgen die drei Themenschwerpunkte dem chronologischen Heranwachsen eines Menschen.

  • Schwangerschaft, Geburt und das neue Leben
  • Kleinkinder – wenn das Leben laufen lernt
  • Schulkinder – wie Kinder fürs Leben lernen

Der Kern von „Der Eltern Kompass"

Was ist wirklich gut für mein Kind? Alle wissenschaftlichen Studien ausgewertet.

Nicola Schmidt, Der Eltern Kompass

Was für mein Kind funktioniert, muss längst nicht für alle gelten.

Nicola Schmidt, Der Eltern Kompass

So heißt zum einen der Untertitel des Buches, welcher es in sich hat. Beschreibt er doch im Grunde, mit welchem Patentrezept wir die Eltern für unsere Kinder sein können, die eine nahezu perfekte Erziehung ermöglichen. Das zweite Zitat aus dem Buch bezieht sich auf die Grundlage desselbigen, nämlich die untersuchten Forschungen, Studien und Reviews (über 900 an der Zahl!). In diesem Kontext eher kritisch betrachtet.

So wird gleich auf den ersten Seiten deutlich, was eine der Kernaussagen des Buches ist. Nämlich, als Mutter oder Vater auf sein Herz zu hören. Wir Eltern kennen unsere Kinder schlichtweg am besten und können ihre Bedürfnisse somit erkennen und erfüllen. Somit liegt der Kern von „Der Eltern Ratgeber“ auf der Hand: Aktuelle Forschungen vergleichen, analysieren und aufzeigen, „was wirklich wichtig ist, um gesunde, respektvolle und glückliche Kinder großzuziehen.“ (Quelle: „Der Eltern Kompass“ von Nicola Schmidt)

Ein Blick in „Der Eltern Kompass"

Wie das in den drei Hauptteilen des Buches aussieht, schauen wir uns jetzt einmal an.

Schwangerschaft, Geburt und das neue Leben

  • Ein wesentlicher Teil des Buches ist das Aufräumen mit Ammenmärchen (zB. während der Schwangerschaft mit den meisten Vorsorgeuntersuchungen, die nachweislich keinen messbar positiven Effekt auf die Gesundheit von Mutter und Kind haben. Oder die Aktivität der schwangeren Frau, die durchaus gefördert werden soll und nicht, wie oftmals empfohlen, jegliche Tätigkeiten und Bewegungen einzustellen. Die negativen Auswirkungen sind hier oftmals wesentlich höher. Oder auch der Ort der Geburt: So ist die Wahrscheinlichkeit für Interventionen bei einer Geburt im Krankenhaus größer, die zu „unnötigen Komplikationen“ führen können. Ein weiteres enttarntes Ammenmärchen ist das, welches besagt, dass Babys nicht selbst schon direkt nach der Geburt intuitiv die Brust der Mutter krabbelnd finden, um gestillt zu werden. Doch, können sie. Es ist sogar von der Natur so vorgesehen.
  • Für mich persönlich ist „Was das Ungeborene prägt“ ein ganz emotionaler Abschnitt, da hier sehr schön verdeutlicht wird, mit wie vielen Eindrücken ein Ungeborenes schon zur Welt kommt. Als Adoptivkind weiß ich, dass diese 9 Monate und mehr mich geprägt haben und auch mein jetziges Vater sein prägen (hierzu durfte ich im Blog „Großeköpfe“ von Alu und Konsti einen Gastbeitrag schreiben: „Adoptivkind – wie es mein Vater sein prägt„)
  • In diesem ersten Abschnitt von „Der Eltern Kompass“ kommt Nicola Schmidt zu dem Fazit, dass der gesündeste und glücklichste Weg für alle Beteiligten der ist, auf dem wir uns am wohlsten fühlen. Es geht darum, Stress zu minimieren bzw. gar zu vermeiden und auf sein Wohlbefinden zu achten.

Kleinkinder – wenn das Leben laufen lernt

  • In den ersten drei Jahren werden viele Grundsteine bei Deinem Kind gelegt. Dass diese Zeit auch die herausforderndste und nervenaufreibendste ist, wissen wir Eltern wohl nur zu gut. Wohl dem, wer durch Nicola Schmidt in „Der Eltern Kompass“ zu Beginn des Kapitels erstmal direkt bestärkt wird, bei all diesen Herausforderungen eines sich in der Autonomiephase befindlichen Kleinkindes in der Regel gar nichts falsch gemacht zu haben.
  • Denn auch in dieser so prägenden Zeit Deines Kindes ist es leider so, dass sich viele Erziehungsratschläge nicht mit dem Stand der Forschung decken.
  • Ein viel diskutiertes Thema unter Eltern ist da bspw. der Start der Beikost Einführung. So ist ein Beginn ab dem 6. Monat empfehlenswert, sollte aber in erster Linie vom Interesse des Kindes initiiert werden. Das geht zusätzlich auch mit der Menge der gefütterten und tatsächlich gegessenen Beikost einher. Entgegen einiger Ratgeber spielt es keine Rolle, denn Essen sollte für ein Baby unter einem Jahr in erster Linie Spaß machen. Die in diesem Zuge sich hartnäckig haltende Meinung, Karotten seien die erste Gemüsesorte für den Beikost Start, ist da ähnlich auf dem Holzweg. Wie schon in meinem Artikel zu Hugo’s Beikost Einführung beschrieben, eignet sich hier Pastinake viel besser, da leichter für Dein Baby bekömmlich.
  • Sehr spannend finde ich den Abschnitt, der dass Essverhalten im Kleinkindalter betrachtet. Hier wird sehr schön und nachvollziehbar aufgezeigt, dass die Abneigung gegen Gemüse ganz natürlich ist und in der menschlichen Evolution zu finden ist. Wir schützen uns so vor Vergiftungen, da wir das fremde aussehen von zB. Brokkoli erstmal einordnen müssen. Die Ernährung der Mutter während der Stillzeit spielt hierbei eine wichtige Rolle, da sie so das Kind an die Aromen der mütterlichen Nahrung schon früh gewöhnt. Oder eben auch nicht…, haha. Wesentlicher Punkt hierbei ist, dass wir Eltern uns und unsere Kinder nicht stressen müssen, unbedingt diverse Gemüsesorten von Beginn an zu mögen und zu essen.

Schulkinder – wie Kinder fürs Leben lernen

  • Der letzte Teil von „Der Eltern Kompass“ schildert, wie wir unsere Kinder für den Ernst des Lebens vorbereiten. Wie wir sie zu guten Schülern machen und ihnen damit den Weg in ihre Zukunft ebnen.
  • Die Themen sind folglich reifer und gesellschaftliche sowie kulturelle Aspekte spielen eine Rolle. So zB. beim Teilen, was im Kleinkindalter die größten Wutanfälle nach sich sieht, mit Beginn der Schulzeit allerdings deutlich harmonischer und im Sinne der Gemeinschaft gelernt wird.
  • Sehr schön gefällt mir der Abschnitt um Empathie und Moral. Schon in den ersten Lebensjahren verhalten sich Kinder empathisch und in dieser Zeit geben wir Eltern unseren Kindern auch ganz entscheidende Lehren mit. Durch spiegeln der Gefühle lernt und versteht ein Kind, Gefühle und Emotionen im weiteren Heranwachsen richtig einzuordnen.

„Der Eltern Kompass" von Nicola Schmidt – mein Fazit zum Buch

In gewisser Hinsicht ist „Der Eltern Kompass“ ein Ratgeber für Eltern. Oder besser gesagt, ein Anti-Ratgeber. Was mir gefällt ist, dass das Buch mich als Elternteil erdet. Es besinnt mich, mich auf mich und mein Kind zu fokussieren. Was ist mir wichtig? Was macht mich und die Bedürfnisse meines Kindes glücklich?
Manchmal kann das Buch natürlich etwas verwirren, da viele unterschiedliche Reviews herangezogen werden und es teilweise sehr fachlich wird. Allerdings ist genau das auch die Ausgangslage für das Buch und die Kernbotschaft von Nicola Schmidt, „gut darauf zu achten, wie es uns wirklich geht„,  kommt immer wieder sehr schön und nachvollziehbar für die Leserin bzw. den Leser durch. Und genau das ist es, was ich beim Lesen mitgenommen habe. Ein sehr wertvolles Buch, dass in keinem Familienhaushalt fehlen darf.

PS: „Der Eltern Kompass“ gibt es ab dem 02.12.2020 zu kaufen.*

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5 Kommentare zu „„Der Eltern Kompass“ – die Buchrezension“

  1. Das Buch könnte für uns interessant sein.

    Mit einer 20 Monatigen Tochter und einem Säugling der bald auf die Welt kommt decken wir schonmal zwei Themen aus dem Buch ab.

    Tolle Zusammenfassung des Buches. Danke dafür.

    Grüße
    Maximilian von derpapablog.de

    1. Hi Maximilian,
      klasse, dass Du dabei bist! Ihr seid im Lostopf.
      Danke Dir für Dein tolles Feedback!
      LG, Richard & Hugo.

  2. Wir würden uns sehr über das Buch freuen. Unsere Tochter ist gerade 12 Monate alt, viele der Themen werden also noch auf uns zu kommen. 🙂 Gerade der wissenschaftliche Ansatz ist für uns sehr wichtig.
    Danke für die Zusammenfassung!
    Viele Grüße, Carina

  3. Wir gratulieren Carina ganz herzliche zum Gewinn 1 Exemplars von „Der Eltern Kompass“!
    Vielen Dank ans Mitmachen!
    LG, Richard & Hugo.

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